Life in a Bush of Ghosts

Rui Calçada Bastos

Eliza Tan


Life in a Bush of Ghosts (Leben in einem Gespensterbusch) stellt die neueste Arbeit von Rui Calçada Bastos vor, der mit einer Einzelausstellung zuletzt 2006 in der Invaliden1 Gallery zugegen war. Die Ausstellung reflektiert den Titel des Albums 'My Life in the Bush of Ghosts' von Brian Eno und David Byrne aus dem Jahre 1981. Durch das Auslassen des Pronomens 'my' enfernt sich Life in a Bush of Ghosts von den früheren selbstreferenziellen Ansätzen Bastos’.

Die Ausstellung umfasst eine Reihe von großformatigen Fotografien sowie ein Video und greift das langjährige Interesse Rui Calçada Bastos’ für die Stadtplanung auf, sowie seine künstlerische Erforschung der globalen Stadt als Wanderraum; als Atelier ohne festen Ort. Die Arbeiten entwickeln sich im Rhythmus einer durch ihre Vergänglichkeit bestimmten Zeit, wobei unerwartete Begebenheiten, unzählige Objekte, Materialien und eigenartige Szenen des Alltags aufgerufen werden. Bastos referiert insbesondere auf die Stadt als Hauptraum steter ökonomischer und sozialer Erweiterung und versucht widersprüchliche Momente aufzuzeichnen, die sich innerhalb des städtischen Raumes, innerhalb dieses urbanen Dschungels ereignen - den städtischen Busch.

Er stellt bewegliche und stille Szenen nebeneinander, wobei er mit einer bedächtigen Lupe auf jene Transformationen schaut, die aus scheinbar ruhigen und unbedeutenden Vorkommnissen resultieren, welche im schnellen Wandel der Stadt oft unbeachtet bleiben. Der menschlichen Aktivität wird dabei keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, wenn auch die im Fokus stehenden Oberflächen und Objekte auf subtile Weise von den An- und Abwesenheiten der Einwohner der Stadt Zeugnis liefern. Verlorene oder ausrangierte Gegenstände, nackte Flurgänge und Wände, verrutschte Ziegelsteine oder unvollendete Betonflächen scheinen als viszerale, skulpturale Objekte ein aus dem Zufall geborenes, neues Leben gefunden zu haben,.Sie beschwören Gegensätze herauf, poetische Auren, die auf unbekannte Vergangenheiten anspielen und dabei nicht nur als Fragmente von Erinnerung bzw. als unterbrochene Erzählstränge fungieren, sondern ihre vergangenen und zukünftigen Funktionen mitunter hinterfragen.

Life in a Bush of Ghosts eröffnet dem Betracher eine Sichtweise, in der die Städte, in denen wir leben, uns immer wieder neue Möglichkeiten eröffnen, nicht nur die sichtbare Welt sondern auch unsere inneren Perspektiven und Erzählungen umstrukturieren. Obwohl in den – gleichzeitig dynamischen und generischen - Arbeiten die Pluralität der städtischen Milieus Widerhall findet, ist ihnen ein quälendes Ruhegefühl inne. Dass Veränderung die einzige Konstante im Leben ist, mag gesetzt sein – vielleicht sogar ein Klischee. Rui Calçada Bastos stellt sich jedoch dem Gespenst dessen gegenüber, was früher war, jetzt ist und einmal sein wird. Dieser peripatetische oder sogar romatische Impuls ist sowohl Teil des Stadtbewohners, als auch des Reisenden.

Rui Calçada Bastos ist 1971 in Lissabon (Portugal) geboren. Seitdem er 2003 ein Residenzstipendium für das Künstlerhaus Bethanien erhielt, lebt und arbeitet er in Berlin. International ausgestellt hat er seine Arbeiten in der Kunsthalle in Bergen (Norwegen), im Historischen Museum in Singapur, im CGAC ­­- Centro Galego de arte Contemporanea in Santiago de Compostela (Spanien), im Le Plateau in Paris, sowie in der Villa du Parc Centre d`art Contemporain in Annemasse (Frankreich). Seine Videoarbeiten wurden im Tamayo Museum in Mexico-Stadt, in der Tate Modern in London, im Art Beijing in Peking und im Loop Art Fair in Barcelona gezeigt.

Seine Arbeiten sind Teil berühmter internationaler Sammlungen, wie jede der CGAC - Centro Galego de arte Contemporanea, der NBK - Neuer Berliner Kunstverein, der Fundacion COF, des Centro Ordonez Falcon Fotografia, von Susanne & Werner Peyer (Schweiz) und der Fundaçao Calouste Gulbenkian (Portugal).


Eliza Tan ist Schriftstellerin und Kuratorin, hat an mehreren Projekten mit dem Kunstmuseum in Singapur zusammengearbeitet, sowie mit dem National Arts Council und mit dem Solomon R. Guggenheim in New York.


Rui Calçada Bastos
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